Donnerstag, 7. Oktober 2010

EU-Parlament erhält strahlende Proben

Greenpeace: Neue Atommüll-Richtlinie bietet keinen ausreichenden Schutz der Bürger

Brüssel (ots) - Strahlenschutzexperten der unabhängigen Umweltorganisation Greenpeace übergeben heute dem EU-Parlament in Brüssel Behälter mit radioaktiven Proben aus Belgien, Frankreich, Großbritannien und dem Niger. Die Proben stammen aus öffentlich zugänglichen Bereichen im Umfeld von Atomanlagen in diesen Ländern und gelten nach deutschem und EU-Recht als Atommüll. Noch diesen Monat soll dem EU-Parlament eine Richtlinie zur Atommüllentsorgung vorgelegt werden, die derzeit von der EU-Kommission erarbeitet wird. Um möglichen Schaden von der Bevölkerung abzuwenden fordert Greenpeace, diese Atommüllrichtlinie sehr viel schärfer zu fassen, als bisher vorgesehen und europaweit aus der Atomenergie auszusteigen.

"Mit der geplanten Richtlinie soll der Bevölkerung vorgegaukelt werden, es gäbe eine Lösung für das Atommüllproblem", erklärt Heinz Smital, Kernphysiker und Atomexperte von Greenpeace. "Dem ist aber nicht so. Laut ersten Entwürfen erfasst die Richtlinie gar nicht den gesamten anfallenden Strahlenmüll. Und die darin vorgesehene Einlagerung von Atommüll in tiefen geologischen Schichten ist keine Lösung des Problems." Im von Greenpeace in Auftrag gegebenen Endlager-Report "Rock solid?" warnen Wissenschaftler davor, dass die Lagerung radioaktiver Abfälle im Tiefengestein hochproblematisch ist und dort kaum über Jahrmillionen gesichert werden kann.

Bodenproben sind nach deutschem und EU-Recht Atommüll

In den vier Behältern, die dem Parlament übergeben werden, befinden sich radioaktive Bodenproben aus dem Dorf Akokan nahe von Uranminen in Niger, vom Meeresboden vor den Wiederaufbereitungsanlagen im französischen La Hague und dem britischen Sellafield sowie von einer Sandbank im Fluss Molse Nete nahe der atomaren Forschungseinrichtung Dessel in Belgien. Die Proben aus dem Umfeld der vier Atomanlagen wurden von Greenpeace-Experten jeweils aus öffentlich zugänglichen Bereichen entnommen. Das radioaktive Material ist wegen seiner Strahlung nach deutschem und EU-Recht schwachradioaktiver Abfall und muss über Jahrhunderte von der Umwelt ferngehalten werden.

"Nach geltendem Recht sind diese Proben eindeutig Atommüll. Vor Ort müssen die Menschen aber bisher ungeschützt damit leben und mit der neuen Richtlinie würde das auch so bleiben. Das ist ein Skandal und zeigt, wie komplex das Atommüllproblem ist", so Smital. ""Die EU hat Ausstiegsszenarien für alle möglichen gefährlichen Substanzen, wie zum Beispiel Quecksilber. Daher sollte in der geplanten EU-Richtlinie auch die Zielsetzung enthalten sein Atommüll zu vermeiden und aus der Atomkraft auszusteigen. Aber in der geplanten EU-Richtlinie werden noch nicht einmal alle radioaktiven Abfallprodukte aus der Atomstromnutzung erfasst. Wir müssen mit dem nuklearen Wahnsinn aufhören, weil niemand abschätzen kann, welch schwere Bürde wir zukünftigen Generationen damit auferlegen."

Zu den Ländern, die massiv Atommüll produzieren, ohne ein sicheres Endlager vorweisen zu können, zählen unter anderem Deutschland, Frankreich, England, Spanien und Schweden. Allein durch die Laufzeitverlängerung in Deutschland würden fast 5.000 Tonnen zusätzlicher Atommüll anfallen.



Rock Solid - A Scientific Review

Laufzeitverlängerung, NEIN!?

Wenn ihr auch nicht mit der aktuellen AKW-Laufzeitverlängerung in Deutschland einverstanden seid, dann beschwert euch bei der Bundeskanzlerin, bei der CDU, bei den 40 Personen (und ihren Institutionen) dieses Energieappells:

http://www.energiezukunftdeutschland.de

Und beim Büro dieses Appells, Kontaktdaten:

Energiezukunft für Deutschland e.V. i.G.
Gladbecker Straße 404
45326 Essen

Telefonnummer 0201 – 74716781
Email: kontakt@energiezukunft-fuer-deutschland.info

Act now!

Rückbau von Atomanlagen ist sehr teuer und aufwändig…

…, ja der Rückbau ist natürlich aufwändig, da kommt man nicht ganz drumrum. Allerdings haben die AKW-Betreiber in Deutschland hierfür entsprechend ausreichende Rückstellungen gebildet (bilden müssen), so dass diese Kosten quasi seit dem Bau der AKWs bekannt und zurückgelegt sind.

Und ja es kommt noch besser: es sagt niemand, auch nicht die meisten Grünen, dass ein AKW wirklich sehr aufwändig wieder komplett bis zur grünen Wiese rückgebaut werden muss. Es sind zahlreiche Nachnutzungsmöglichkeiten denkbar: z.B. als Standort eines Ökoenergie-Kraftwerks (aufgrund der Einbindung ins Stromnetz), oder aufgrund der guten Sicherungsanlangen als Gefängnisstandort, oder für Nostalgiker als Wohnmöglichkeit (Umbau zu Wohneinheiten), als Veranstaltungsort,…. ja last but not least, wäre es sicher auch nicht schlecht ein AKW als eine Art Mahnmal künftigen Generationen möglichst wenig rückgebaut zu hinterlassen. So ließe sich sicher ein beträchtlicher Teil an Rückbaukosten einsparen.

Natürlich ist es keine Frage, dass ein minimaler Rückbau die absolut rückstandsfreie Entfernung bzw. Einschließung aller gefährlichen, radioaktiven Teile eines AKWs umfassen muss, bevor eine Nachnutzung erfolgt, so dass eine Gefährdung von Mensch und Umwelt nach den Rückbaumaßnahmen defintiv ausgeschlossen ist.

Aber bei cleverer Umsetzung nicht so teuer, wie uns entsprechende Akteuere glauben machen wollen ;-)

Atomenergie ist grün, nur die Endlagerung muss noch gelöst werden…

…so hört man das oft, ja die blöde Endlagerung, den Müll will halt keiner und es ist teuer auch diesen Müll sicher über lange Zeit aufzubewahren.

Aber der Knüller der meist unter den Tisch fällt:

Die Umweltauswirkungen bei der Gewinnung des Uran sind alles andere als unerheblich. Daher verschleiern wohl auch die entsprechenden Akteuere die Herkunft des in deutschen Reaktoren eingesetzten Urans. Sehr lesenswert hierzu ist folgendes PDF-Dokument der IPPNW „Die Versorgung Deutschlands mit Uran“ (Stand 21.7.2010)

Das PDF-Dokument endet u.a. mit den Worten:
„Dass die Daten über Einfuhr, Herkunftsländer, Ausfuhr und Empfangsländer selbst Parlamentariern vorenthalten werden, stellt einen skandalösen Mangel an Datentransparenz dar.“

Siehe dazu auch den Artikel „IPPNW fordert Ächtung von Uranabbau

Atomenergie ist eine sehr effiziente Energie, ja? echt?

Sehr häufig hört man das Argument, dass Atomkraft eine sehr effiziente Form der Energieerzeugung sei, dieses Argument hat nur leider der Westdeutsche Rundfunk dieser Tage ein für alle mal ausgeräumt:

Der WDR veröffentlichte in einem Online-Beitrag mit dem Titel „Milliardengrab Atomkraft“ ein PDF-Dokument, welches sämtliche bis heute gebaute aber nur kurz oder gar nicht in Betrieb genommenen AKWs der Welt auflistet. Hierbei wurden nach heutigem Stand Werte in Höhe von 360 Milliarden Euro mehr oder weniger sinnlos vernichtet, nicht auszudenken was man mit diesem Geld bei Investition in Erneuerbare Energien hätte erreichen können.

Fazit des WDR-Beitrags:

„Kein anderer einzelner Industriezweig hat damit jemals so viele und so teure Investitionsruinen hervorgebracht.“

Auch von den erfolgreich in Betrieb gegangenen AKWs sind die Kosten und Umweltauswirkungen beim Bau alles andere als unerheblich, aber dazu später einmal mehr.

Heiß, heißer, HERBST 2010

Ihr seid auch gegen den Ausstieg aus dem Atomausstieg, ihr findet die Art und Weise wie die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke verlängert werden soll nicht richtig? Dann kommt zu den Protesten im Herbst:

  • 18.9. Großdemo in Berlin, mit Umzingelung des Regierungsviertels: www.anti-atom-demo.de
  • 6.10. Demo in Stuttgart mit Landtagsumzingelung: http://www.endlich-abschalten.de/flyer-plakate.html
  • 9.10. Demo in München: http://www.anti-atom-bayern.de/
  • Dieser Blog bringt das beste rund ums Anti-Atom

    Seid gespannt, was euch hier erwartet ;-)